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70 Jahre Deutsche Binnenreederei Berlin

Hamburg/Berlin 04.11.2019 - Die Deutsche Binnenreederei AG (DBR), Berlin, begeht 2019 den 70. Jahrestag ihres Bestehens. In dieser Zeit hat sie sich von der ostdeutschen Staatsreederei zum europäischen Logistikdienstleister entwickelt. Zugleich ist sie ein gutes Beispiel für die erfolgreiche Privatisierung eines Treuhandunternehmens.

Am 1. Oktober 1949 wurden mit der Gründung der Deutschen Schiffahrts- und Umschlagsbetriebszentrale (DSU) in Berlin alle Binnenschifffahrtsaktivitäten in der sowjetischen Besatzungszone zu einem Volkseigenen Betrieb (VEB) zusammengefasst. Die DSU war das Auffangbecken für eine bescheidene Flotte aus Schleppkähnen und Dampfschleppern. Ihr Einsatzgebiet beschränkte sich auf die Wasserstraßen zwischen Elbe und Oder. Nach der Umbenennung 1957 wurde die DBR zum Reedereiunternehmen ausgebaut.

In den sechziger und siebziger Jahren wurde die DBR-Flotte mit dem Bau von 120 Motorgüterschiffen, 160 Schubbooten und über 1.300 Schubleichtern erneuert. Die Entwicklung einer kanalgängigen Schubflotte ab Mitte der sechziger Jahre, in den achtziger Jahren ergänzt durch flachgehende Stromschubschiffe, ermöglichte den Schubverkehr auf engen Kanälen und flachen Flüssen.

1990 wurde die DBR GmbH der Treuhandanstalt unterstellt und ging 1992 in Liquidation. Die Mitarbeiterzahl schrumpfte von 2.800 auf 440 Beschäftigte und 130 Auszubildende. Ende 1992 war die Flotte von 1.042 Schiffen zu zwei Dritteln in ehemaligen Kiesgruben abgestellt und 80 % der Aufträge der DBR kamen von westdeutschen Befrachtern.

Am 1. Februar 1993 privatisierte die Treuhandanstalt die DBR an 22 mittelständische Unternehmer, die den Schiffspark nach und nach mit erheblichen Investitionen modernisierten. Durch stärkere Motorisierung von Schubbooten und Verbreiterung von Schubleichtern wurde die DBR-Flotte für neue Transportaufgaben gerüstet und kam mit neuen Marketingaktivitäten wieder in Fahrt.

Teile der DBR-Flotte wurden an Hauspartikuliere vermietet oder verkauft. Mehr als 200 Schiffe wurden an 120 meist ehemalige DBR-Schiffsführer privatisiert, womit auch die Grundlage für neue mittelständische Strukturen in der Binnenschifffahrt der neuen Bundesländer gelegt wurde.

Mit innovativen Logistikkonzepten – etwa für die Berliner Großbaustellen Potsdamer Platz und Spreebogen – hat die DBR neue Einsatzgebiete für das Binnenschiff in Kooperation mit Lkw und Bahn erschlossen. Mit kundenorientiertem Marketing und der Expansion in neue Marktbereiche konnte sich die DBR als verlässlicher Marktpartner neu etablieren, so dass bereits 1995 wieder 80 % der Umsätze von eigenen Kunden stammten.

Anfang 1995 startete die DBR in Kooperation mit den Häfen Dresden, Riesa, Aken und Magdeburg regelmäßige Containerverkehre auf der Elbe nach Hamburg, die in den Folgejahren auch auf den Mittellandkanal nach Braunschweig, Hannover und Minden ausgedehnt wurden. Dabei kommen die Vorteile der DBR-Schubflotte zum Tragen, heute ergänzt durch den Einsatz moderner Motorschiffe. 1998 erfolgte die Umwandlung der DBR GmbH in eine AG.

Seit April 2007 hat die DBR AG einen neuen Hauptaktionär,  der OT Logistics S.A. mit Sitz in Stettin. Seit 2008 sind auch die Spedition Rentrans Cargo in Stettin, die renommierte Spedition C. HARTWIG GDYNIA S.A., der Bahnspediteur STK S.A. in Breslau sowie die Seehäfen Swinemünde, Danzig, Gdingen und Breslau in die OT-Gruppe eingebunden. 

Die DBR wird von den Vorständen Piotr Śmierzchała (2016) und Adam Knobelsdorf (2017) als rechtlich selbständige AG geführt. „Wir haben von OT Logistics Teile der polnischen Flotte gemietet und setzen diese in unserem Fahrtgebiet ein. Die Entscheidungen über deren Einsatz werden unabhängig von Stettin hier in Berlin und in unserer Niederlassung Hamburg getroffen“, erklärt Piotr Śmierzchała. Die DBR disponiert heute rund 450 Einheiten mit einer Tragfähigkeit von mehr als 200.000 t.

Änderungen in der Energieversorgung der Berliner Kraftwerke brachten der DBR 2017 den Verlust bedeutender Teile des Transportvolumens. So endete der Kontrakt über mehr als 1,5 Mio. t Braunkohle zum Berliner Kraftwerk Klingenberg, dessen Energieerzeugung auf Gas umgestellt wurde. Kurze Zeit später wurde der Export von polnischer Steinkohle beendet und die Versorgung der Berliner Kraftwerke auf Importkohle aus Russland und Südamerika umgestellt. Da Ersatzmengen im Markt nicht zu bekommen waren, musste die DBR restrukturieren.

Nach und nach hat sich die Beschäftigungssituation seit 2018 wieder stabilisiert. „Dabei hat die Relation Berlin-Stettin mit Massengut wie Getreide, Futtermittel und Dünger deutlich an Bedeutung gewonnen. Positiv entwickelt sich auch der Containerverkehr zwischen Hamburg und den Hinterland-Stationen am Mittellandkanal“, freut sich der DBR Chef. Nach Braunschweig fahre man mindestens sechs bis acht Mal pro Woche, nach Hannover habe man vier und nach Minden je drei wöchentliche Umläufe.

Auch wenn das Binnenschifffahrtsgewerbe aktuell vom Kohleausstieg betroffen ist, steht Piotr Śmierzchała zu den Beschlüssen der Umweltpolitik: „Der Klimaschutz kann ohne den Verkehrsträger Binnenschifffahrt nicht bewältigt werden, denn nur dieser verfügt in der Infrastruktur über ausreichend Kapazitätsreserven, um Mengen von anderen Verkehrsträgern zu übernehmen. Die Fördermittel aus den Klimaschutzprogrammen dürfen deshalb nicht nur bei der Bahn landen, sondern können über Investitionen in Flüsse, Kanäle und Schleusen und die Förderung eines Flotten-Modernisierungs-Programms die Binnenschifffahrt fit machen für neue Aufgaben und die Märkte der Zukunft!“

Die DBR ist Mitglied beim ShortSeaShipping Inland Waterway Promotion Center (spc).

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