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Großraum- und Schwertransporte gehören verstärkt auf die Wasserstraße

3. spc Forum-Sondertransporte diskutiert aktuelle Situation

Bonn, 21. November 2019 – Wohin mit der Last und wie können Großraum- und Schwertransporte (GST) verstärkt über die Wasserstraßen verladen werden? Diese beiden Fragen standen im Mittelpunkt des 3. spc Forums Sondertransporte, an dem sich rund 60 Teilnehmer aus Politik, Verbänden und Wirtschaft in Bonn beteiligten. Für die Industrie wird angesichts größer und schwerer werdender Komponenten das Thema auch immer mehr eine Standortfrage, während die Binnenschifffahrt dringend nach neuen Ladungsmärkten sucht um vor allem die rückläufigen Kohletransporte auszugleichen. Angesichts der aktuellen Klimadiskussion hat die Fragestellung auch eine gesellschaftliche Relevanz.   

spc Geschäftsführer Markus Nölke betonte in seinem Grußwort, dass die Ausgangslage eigentlich sehr klar sei, am Ende aber der Teufel im Detail stecke. „Die Straßen werden voller, Staus nehmen zu, die Infrastruktur, vor allem Brückenbauwerke, werden immer anfälliger und die Polizei wird stark durch die Begleitung von GST belastet. Gleichzeitig kann der Verkehrssektor keine positiven Fortschritte in der Klimabilanz vorzeigen, obwohl Wasser- und Schienenwege freie Kapazitäten bieten und umweltfreundliche Verkehrsträger sind“.  

Die Referenten aus der Praxis zeigten anhand ihrer Arbeitsbereiche auf, welche aktuellen Chancen und Herausforderungen bestehen.

Claudia Oberheim aus dem Bundesverkehrsministerium (BMVI) berichtete über eine neu gebildete Arbeitsgruppe. Ziel dieser Arbeitsgruppe sei es, Handlungsfelder für eine Verlagerung der GST auf die Wasserstraße zu identifizieren, zu beschreiben und dafür konkrete Umsetzungsvorschläge zu erstellen. Damit soll auch das Ziel des Masterplans Binnenschifffahrt flankiert werden, um den Modal Split für die Binnenschifffahrt auf mindestens 12 Prozent zu steigern.

Dringenden Handlungsbedarf sieht Christian Miß von der Stadt Lüdenscheid beim Genehmigungsverfahren. Die in den Anträgen genannten Gründe für einen Straßentransport bzw. warum Wasserstraße und Schiene keine Alternative sind, werden oftmals viel zu oberflächlich dargelegt.  

Oftmals werden erhöhte Kosten als Grund angegeben. Wie hoch die Kosten für die Begleitung eines GST sein können, stellte Sascha Goldinger von der Spedition Kübler dar. Nicht selten lägen die Kosten im 5-stelligen Bereich, konnten jedoch auf bestimmten Relationen durch eine Kombination von Schiene und Wasserstraße auf nahezu null reduziert werden. Gleichzeitig wurde der Export vom süddeutschen Standort durch alternative Lösungen gesichert. Dies stellt sich über die Straße immer schwieriger dar. Allerdings musste das mittelständische Unternehmen hier auch hohe Investitionen in neue Wagontechnik tätigen.

„Alles wächst, die Binnenschifffahrt schrumpft“, brachte es Andreas Löffert, Geschäftsführer des Hafens Straubing-Sand, auf den Punkt. Für Groß- und Sondertransporte gebe es einen stark wachsenden Markt. Die Zahl dieser Transporte hätte sich in Deutschland seit 2010 mehr als verdoppelt. Dabei sei der Anteil der auf das Binnenschiff gehe mit nur 1,5% noch beschämend gering. Das Potential für die Verlagerung dieser Transporte sei enorm. Alleine aus der bayerischen Donau könnten rechnerisch 8 Schiffe mit Projektgütern Richtung Seehafen beladen werden. Bei der Genehmigung der straßenseitigen Transporte sollen deshalb auch die Binnenschifffahrt  und die Häfen angehört werden, damit sie ein wettbewerbsfähiges Angebot unterbreiten können. Hier könnte die Binnenschifffahrt ihre Vorteile ausspielen.

Das die Wasserstraße ein zuverlässiger Partner ist, zeigte ein Beispiel von Christoph Günther von Multilift auf. Multilift ist ein Gemeinschaftsunternehmen von sechs renommierten Traditionsunternehmen aus Deutschland, Belgien und Luxemburg und ist spezialisiert auf Schwertransporte sowie Kran- und Montagelogistik. Nahezu reibungslos, ohne Verzögerungen und zu attraktiven Gesamtkosten konnte der Transport von zwei Dampfkesseln und Zubehör mit einer Länge von über 10m und einem Stückgewicht von 82 Tonnen von Roth über die Donau und das Schwarze Meer bis in die Ukraine dargestellt werden – eine  Bestätigung der Attraktivität der Wasserstraße.

Oliver Spiller von der BLG aus Bremen wies auf die Relevanz des Umschlags von Projektladung für die deutschen Seehäfen hin. Für die Bremischen Häfen ist der Umschlag in diesem Segment von enormer Bedeutung. Daher muss gewährleistet werden, dass die deutschen Häfen über Straße, Schiene und Wasserweg bestmöglich angebunden sind, denn mit den Westhäfen gibt es einen starken Wettbewerber, forderte Spiller in seinem Fazit.

Ein Plädoyer für den Einsatz von Binnenschiffen in den küstennahen Bereichen hielt David Schütz von der Deutschen Binnenreederei (DBR). Diesen hat es zu DDR Zeiten gegeben und es habe funktioniert. Angesichts des Strukturwandels in der Binnenschifffahrt sollten solche Konzepte wieder aus der Schublade geholt werden, meinte Schütz.    

In der Zusammenfassung stellte Nölke fest, dass vor allem ein starker Hebel im Genehmigungsverfahren liegt. Dies muss vereinfacht, verkürzt und vor allem verbindlich werden. Die lange und unbekannte Dauer des Genehmigungsverfahrens führe zu Mehrfachanträgen, die zu einer Überlastung der Genehmigungsbehörden führen. Dies verursache oft eine lange Bearbeitungsdauer. Ferner muss das Gesamtsystem im Genehmigungsverfahren berücksichtigt werden. Paradoxerweise, so Nölke, ist der Vorteil der Binnenschifffahr i.d.R. keine Sondergenehmigung zu benötigen für GST hier eher ein Nachteil. Derzeit heißt Straße beantragen, Straße bekommen -oft mit großen Umwegen-, obwohl es sinnvolle Alternativen gibt. Das Kostenargument für den Straßentransport sieht Nölke kritisch. Hier werden die Transportkosten und Kosten für Begleitung nicht in Summe  betrachtet. Natürlich muss die Wasserstraße auch attraktiv für GST sein und sich dem Wettbewerb mit anderen Verkehrsträgern stellen. 

Nölke kündigte für November 2020 das nächste spc Forum Sondertransporte an.

Pressekontakt:

Markus Nölke, Geschäftsführer
Verein zur Förderung des Kurzstreckenseeverkehrs e.V.
c/o ShortSeaShipping Inland Waterway Promotion Center (spc)
Adolphsplatz1, 20457 Hamburg (Vereinsanschrift)
Robert-Schuman-Platz 1, 53175 Bonn (Postanschrift)
Tel: +49 (0)228 - 300 4890
E-Mail: presse@shortseashipping.de 

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