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spc Forum Sondertransporte: VEMAGS plant die Einbindung der Wasserstraße in das System und sorgt so für mehr Transparenz

Die Teilnehmer der Podiumsdiskussion (v. l. n. r.): Markus Nölke (spc), Rainer Fabian (C.Steinweg Süd-West-Terminal GmbH & Co. KG), David Schütz (Deutsche Binnenrederei AG), Heinz Rößler (Spedition Kübler GmbH) und Marcus Sütterlin (Hessen Mobil Straßen- und Verkehrsmanagement) -Quelle: spc

Das 2. spc Forum Sondertransporte am 8. November beschäftigte sich mit der Frage, unter welchen Voraussetzungen Schwer- und Großraumtransporte (GST) verstärkt über die Wasserstraßen abgewickelt werden können. Eine wichtige Rolle spielt dabei die eGovernment-Anwendung „Verfahrensmanagement für Großraum- und Schwertransporte VEMAGS“, über die mittlerweile 99 % der Anträge abgewickelt werden. Damit hat sich VEMAGS als zentrales Tool etabliert. Über 60 Teilnehmer waren zu Gast.

Die Frage, ob mehr Schwer- und Großraumtransporte über Wasserstraßen durchgeführt werden können, war bereits Thema des ersten spc Forums Sondertransporte 2017. Als Fazit der Veranstaltung wurden damals drei Punkte identifiziert, die bei der Beantwortung helfen sollen: es fehlen belastbare Zahlen und Daten, wie viele Schwertransporte generell und speziell auf dem Binnenschiff durchgeführt werden. Ferner ist eine bessere Vernetzung aller Beteiligten sowie ein verbesserter Informationsfluss nötig.

Mit der Neuauflage des Forums gelang es in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Güterverkehr (BAG) und VEMAGS belastbare Zahlen zu präsentieren. Wolfgang Severing vom BAG berichtete von einer steigenden Zahl an Schwertransporten generell. 2016 wurden für die Straße 359.534 Anträge gestellt, ein Jahr später waren es 393.572 und bis 30.09.2018 schon 299.653. Auf das Binnenschiff entfielen 479 in 2016, 690 im vergangenen Jahr und bis 30.09.2018 bereits 559. Für die Schiene wurden im gleichen Zeitraum 9.691, 9.735 bzw. 5.492 Transporte beantragt. Er schätzte, dass die Anzahl der Anträge deutlich höher liegt, da in seiner Untersuchung die Dauergenehmigungen keine Berücksichtigung fanden.

Unter Einbeziehung der Dauergenehmigungen sprach Marcus Sütterlin von Hessen Mobil Straßen- und Verkehrsmanagement sogar von 500.000 gestellten Anträgen und fast 600.000 erteilten Bescheiden in 2017 bei VEMAGS. Für 2019 kündigte er die Einbindung der Wasserstraßen in VEMAGS an. Ziel ist, dass dem Anwender künftig automatisch eine Alternative zum klassischen Straßentransport vorgeschlagen wird. Markus Nölke, Geschäftsführer des spc, freut sich über diese Entwicklung: „Es ist ein richtiger Schritt, VEMAGS in eine multimodale Richtung weiter zu entwickeln. Wir sehen in dieser erweiterten Transparenz das Potenzial für die Binnenschifffahrt. Es ist notwendig, dass das Binnenschiff gleichwertig am Wettbewerb beteiligt wird.“ Nölke kündigte an, die Lieferung von entsprechenden Daten an VEMAGS nach Kräften zu unterstützen.

Ein weiteres zentrales Thema war die sogenannte Negativbescheinigung. Sie wurde 2017  aus der Verwaltungsvorschrift  gestrichen und muss nun bei einem Genehmigungsverfahren nicht mehr vorgelegt werden. In der Praxis fand sie allerdings bisher auch de facto keine Berücksichtigung und wurde kaum eingefordert. „Eine Prüfung dieser Negativbescheinigung bei jährlich 500.000 Anträgen war und ist unrealistisch“ kommentiert Nölke diese Entwicklung. Allerdings regt er eine Wiedereinführung unter der Prämisse der Überprüfbarkeit an. „Vorstellbar wären hier beispielsweise festgelegte Parameter wie Transporte ab einem gewissen Übermaß, Distanz oder Tonnage. Vor allem, wenn große Umwege zum Tragen kommen, sollte es vorher eine Überprüfung geben. Wir gehen davon aus, dass das die Anzahl der zu überprüfenden Anträge deutlich reduzieren würde.“, so Nölke.

Ein Beispiel aus der Praxis eines multimodalen Transports lieferte Andrea Kowalski von der Siemens AG. In ihrem Unternehmen laufen jährlich ca. 100 Schwertransporte über das Binnenschiff. Sie erläuterte, dass ein multimodaler Transport logischerweise einen höheren Koordinationsaufwand hat, als ein einfacher Straßentransport. Zudem ist er auf den ersten Blick teurer und langsamer. Dennoch ist sie eine Verfechterin des Wasserwegs, denn die Nutzung der Straße wird zunehmend schwierig. Marode Brücken führen zu weiten Umwegen und die Bearbeitung der Genehmigungen benötigt Zeit, die ihr Unternehmen oft nicht hat. „Wenn beispielsweise eine Turbine in einem Kraftwerk ausfällt, muss sie schnell ersetzt werden. Da ist Zeit ein wichtiger Faktor. Für den Transport auf dem Binnenschiff benötige ich keine Genehmigung“ berichtet sie.

Das Thema Vernetzung sprach Heinz Rößler von der Spedition Kübler GmbH an. Sein Unternehmen bietet Schwertransporte auf allen Verkehrswegen an. So sieht er für das Binnenschiff ein großes Potenzial im Linienverkehr. „Wenn viele Spediteure ihre Ladungen auf einem Schiff konsolidieren, ist das für alle eine Win-Win-Situation. Die Straße wird entlastet, ausgelastete Relationen können zu einem günstigen Preis angeboten werden und die Ankunft der Fracht ist sicher planbar“ wirbt er für seinen Gedanken.

Die Veranstaltung schloß mit einer Podiumsdiskussion. David Schütz von der Deutsche Binnenrederei AG merkte hier an: „Wir führen diese Transporte tagtäglich durch, und wir sind uns bewusst, dass das Binnenschiff eine wichtige und sinnvolle Alternative ist. In Zukunft werden wir uns noch stärker darauf konzentrieren müssen ein zuverlässiger Partner in der Transportkette bei Groß- und Schwertransporten zu sein, da die konventionellen Ladungsgüter wie z.B. Kohle und Erze rückläufig sind. Wir dürfen dabei aber nicht den Fokus auf die Tatsache verlieren, dass es in Zukunft grundsätzliche Probleme der Binnenschifffahrt zu bewältigen gibt. Um einige wichtige Beispiele zu nennen: baulicher Zustand und personelle Besetzung der Schleusen und Hebewerke,  deutliche Verschlechterung der Navigierbarkeit auf den Flusssystemen (Niedrigwasser), fehlender Nachwuchs beim Schiffspersonal.“ Rainer Fabian von der C. Steinweg (Süd-West Terminal) GmbH & Co. KG ergänzt dies und bringt die Relevanz des Binnenschiffes für sein Unternehmen auf den Punkt: „Wir arbeiten täglich mit allen Verkehrsträgern. Das Binnenschiff ist eine sinnvolle und wichtige Ergänzung bei der Erfüllung unserer Aufgaben. Es ist für uns von zentraler Bedeutung, dass die Infrastruktur auf Straße, Schiene und Wasserweg die Erreichbarkeit unseres Trimodalen Terminals gewährleistet.“

Die jetzt geplanten Schritte wird das spc unterstützen und in einem weiteren Forum 2019 die Ergebnisse präsentieren. Zudem soll dem Vernetzungsgedanke aus dem ersten Forum damit erneut Rechnung getragen werden.

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