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Bonn / Bremen — In einer gemeinsamen Studie unterstreichen das ShortSeaShipping Inland Waterway Promotion Center (SPC) und das Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik (ISL) in Bremen die wachsende Bedeutung des Kurzstreckenseeverkehrs für die europäische Containerlogistik. Die Ergebnisse zeigen: Short Sea Shipping ist längst kein Nischenmarkt mehr, sondern ein unverzichtbarer Baustein moderner Lieferketten.

Container auf dem Wasserweg: Ein Markt im Aufbruch

Die gemeinsame Studie von SPC und ISL analysiert erstmals umfassend die Rolle des Kurzstreckenseeverkehrs im europäischen Containertransport. Die Ergebnisse sind beeindruckend: Rund 40 Prozent aller innereuropäischen Containertransporte werden bereits über den Seeweg abgewickelt — Tendenz steigend.

„Daher lohnt es sich, dem Kurzstreckenseeverkehr hohe Aufmerksamkeit zu schenken. Die Containerlogistik wird in den kommenden Jahren noch stärker auf den Wasserweg angewiesen sein."

Wichtige Korridore im Fokus

Die Studie identifiziert mehrere Schlüsselkorridore, auf denen Short Sea Container-Verkehre besonders stark wachsen:

Korridor Haupthäfen Wachstum (5 Jahre)
Nordsee / Ostsee Hamburg, Bremerhaven, Göteborg, Klaipeda +22 %
Nordsee / Großbritannien Cuxhaven, Immingham, Rosyth +15 %
Westliches Mittelmeer Barcelona, Genua, Marseille +19 %
Ostsee-Rundverkehr Rostock, Trelleborg, Helsinki +25 %
Nordafrika-Verbindungen Tanger Med, Algier, Hamburg +31 %

Vorteile gegenüber Straßentransport

Die Studie belegt, dass der containerisierte Kurzstreckenseeverkehr gegenüber dem reinen Straßentransport auf Strecken ab 500 Kilometern signifikante Vorteile bietet:

Digitalisierung als Wachstumstreiber

Ein zentrales Ergebnis der Studie ist die Rolle der Digitalisierung. Die zunehmende Vernetzung von Häfen, Reedereien und Logistikdienstleistern über digitale Plattformen macht Short Sea Container-Verkehre effizienter und transparenter. Echtzeittracking, automatisierte Buchungssysteme und digitale Zollabwicklung senken die Transaktionskosten und erhöhen die Attraktivität für Verlader.

Studienergebnisse auf einen Blick

Post-Brexit-Dynamik

Ein besonderes Augenmerk legt die Studie auf die Veränderungen im UK-Verkehr nach dem Brexit. Die neuen Zollanforderungen haben paradoxerweise den Kurzstreckenseeverkehr gestärkt, da die Bündelung von Sendungen auf Containerschiffen die Abfertigung vereinfacht. Häfen wie Cuxhaven und Immingham profitieren von dieser Entwicklung mit zweistelligen Zuwachsraten bei den Container-Umschlagszahlen.

Empfehlungen für die Branche

SPC und ISL geben gemeinsam folgende Handlungsempfehlungen:

  1. Intermodale Angebote ausbauen: Verknüpfung von Shortsea-Diensten mit Binnenschifffahrt und Schiene zu durchgängigen Transportketten
  2. Hafeninfrastruktur modernisieren: Investitionen in automatisierte Container-Umschlaganlagen und Hinterlandanbindungen
  3. Digitale Standards harmonisieren: Einheitliche europäische Standards für elektronische Frachtdokumente und Buchungsplattformen
  4. Grüne Schifffahrt fördern: Incentivierung emissionsarmer Antriebe und Landstromanlagen in Häfen
  5. Bekanntheit steigern: Gezielte Information von Verladern über die Möglichkeiten containerisierter Shortsea-Verkehre

Über die Studienpartner

Das SPC mit Sitz in Bonn ist die zentrale deutsche Anlaufstelle für die Förderung des Kurzstreckenseeverkehrs und der Binnenschifffahrt. Das ISL in Bremen gehört zu den führenden europäischen Forschungsinstituten für maritime Wirtschaft und Logistik. Beide Institutionen arbeiten seit Jahren eng zusammen, um die Potenziale des Wasserwegs wissenschaftlich zu fundieren und praxisnah zu vermitteln.

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